Ich stehe zu meinem Notausgang!


Tamara hat über ihr Leben mit Stoma in ihrem Buch „Notausgang“ geschrieben. Wir wollten von ihr wissen, warum sie gerade diesen Weg gewählt hat um ihre persönlichen Erfahrungen zu verarbeiten. Ein kleines Interview.

Abbildung: Buchcover "Notausgang"Wie kam es zu deinem Stoma?

Tamara: Mit 15 bekam ich Morbus Crohn und quälte mich so durchs Leben. Mein sehr schlechter Allgemeinzustand und eine Fistel vom Schließmuskel in die Scheide ließen mir keine andere Möglichkeit ein einigermaßen normales Leben zu führen. Wenn sich der Mastdarm füllte konnte ich es nicht verhindern, dass mir der flüssige Stuhl aus der Scheide lief. Was für eine Sauerei!

Hattest du vor der Stoma-Operation Angst vor dem was dich erwartet?

Tamara: Ich wollte nie ein Stoma haben, aber tief in mir drin wusste ich, dass es irgendwann so kommen wird. Meine Körperhaare stellten sich sofort auf, wenn ich nur daran dachte, den Kampf gegen den Crohn zu verlieren. Ich ertrug den Gedanken nicht, dass meinem von außen unversehrtem Bauch eine Darmkrone aufsetzt wird. Unsauber, stinkend und unattraktiv – so wollte ich niemals enden. Als ich mir dann eingestehen musste, dass ich den Kampf verloren hatte, beschloss ich aber das Beste daraus machen. Schlimmer konnte es nicht werden!

Doch alle meine Ängste waren komplett unnötig! Meine Stomaversorgung sitzt perfekt und hält meistens 4 Tage. Eigentlich fällt es niemanden auf und wenn doch, stehe ich dazu! Ich bin so wie ich bin und wer mich mit Sack am Bauch nicht mag, würde mich auch ohne nicht mögen. Letztendlich habe ich nur gewonnen! Unter der Dusche, ganz ohne Versorgung, finde ich mein Stoma richtig schön. Von unsauber kann man überhaupt nicht sprechen! Und das BESTE – mein Crohn ist sozusagen weg!

Was war für dich der Auslöser, deine Erfahrungen mit der Erkrankung und deinem Stoma in einem Buch zu veröffentlichen?

Tamara: 1992, als ich mein erstes Stoma bekam, konnte man nicht einfach Infos und Kontakte im Internet und in der spärlichen Literatur finden. Ich hatte wirklich riesiges Glück zwei tolle Stoma-Therapeuten in der Klinik zu haben, die mich selbstsicher und stark machten. Als ich mir 2009 den Mastdarm entfernen lassen musste, fand ich auch da nicht wirklich hilfreiche Informationen. Also nahm ich die OP zum Anlass, live über meine Sigma-Resektion zu schreiben und anschließend 30 Jahre Morbus zusammenzufassen und einzubinden. Einfache klare Worte für jeden, dem so etwas wiederfährt – das war mein Ziel. Ich will Angst nehmen und zu zeigen, dass nach so viel Leid doch alles gut werden kann.

Gibt es etwas, was du Stoma-Neulingen gerne weiter geben möchtest?

Tamara: Wir können alles, wir müssen uns nur trauen! Den Weg zu finden und trotz all dem ein glücklicher, ausgeglichener Mensch zu werden, dass ist die Herausforderung. Viel Glück!


Wer mehr über Tamara und das Leben mit einem Stoma erfahren möchten, die Autorin war live zu Gast in der MDR-Sendung „Hauptsache Gesund“:

Das Buch „Notausgang“ ist hier erhältlich: www.stoma-na-und.de.

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