Der Alltag mit dem Stoma


Heben und Tragen

Beim Heben und Tragen von schweren Lasten steigt der Druck im Bauchraum. Für Stomaträger gilt als allgemeine Empfehlung 10kg nicht zu überschreiten, um die Bildung einer Hernie nicht zu begünstigen.


Eine Stoma-Diät gibt es nicht – Ernährung nach der Stomaanlage

Ob ein Stomaträger nach einer Darmoperation mit Einschränkungen im Speiseplan rechnen muss, lässt sich nicht pauschal vorher sagen. Eine spezielle Diät gibt es daher nicht. Dennoch können Betroffene über die Ernährung einiges steuern.

Gerade bei einem Colostoma machen sich Luftabgänge manchmal recht laut bemerkbar. Viele nehmen das gelassen, durch den Filter in den Stomabeuteln riecht es ja nicht unangenehm. Anderen sind die ungewollten Luftabgänge aber besonders in der Öffentlichkeit peinlich. Durch den Verzicht auf blähende Lebensmittel wie Kohl, Lauch und Hülsenfrüchte und kohlensäurehaltige Lebensmittel wie Cola und Bier kann man die Luftabgänge reduzieren. Ganz vermeiden lassen sie sich allerdings nicht.

Auch das eigene Essverhalten hat Auswirkungen auf die Luft im Darm. Aber nicht nur das, es wirkt sich auch auf Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten aus, die sich bei einigen Stomaträgern nach der Operation zeigen. Langsam essen und kauen, kauen und nochmals kauen: je besser die Nahrung zerkleinert wurde, um so leichter fällt ihr der Weg durch den Darm und umso weniger Luft wird durch Schlucken aufgenommen. Stomaträger sollten sich also Zeit lassen und das Essen genießen.

Der manchmal sehr strenge Geruch der Ausscheidungen kann auch ein Problem sein. Was im eigenen Bad weniger stört, möchte man beim Besuch bei Freundin oder im Restaurant gerne vermeiden. Auch hier kann man mit der Ernährung steuern und zum Beispiel ab dem Tag vor einem wichtigen Termin auf stark geruchsfördernde Lebensmittel verzichten. Eier, Knoblauch, Kohl, Bohnen, aber auch Fleisch -und Fischgerichte sind nur einige der Übeltäter, die den Geruch der Ausscheidungen beeinflussen können.

Faserige oder hartschalige Gemüse- und Obstsorten können besonders beim Ileostoma Beschwerden verursachen. Stomaträger verzichten deshalb häufig darauf. Aber auch daraus lässt sich keine allgemeingültige Regel ableiten. Um auszuschließen, das schwer verdauliche Lebensmittel wie Spargel, Ananas, Pilze oder ungeschälte Paprika nach der Stoma-Operation Probleme machen, sollten man zunächst mit kleinen Mengen testen, wie gut man diese Lebensmittel verträgt. Verursachen diese bereits Beschwerden wie Völlegefühl, Bauchschmerzen oder gar Bauchkrämpfe, sollten man ganz darauf verzichten.

Eine stopfende Wirkung bei dünnen Darmausscheidungen haben z.B.:

  • gekochte Milch, Kakao
  • Säfte: Rote-Bete-, Heidelbeer- ,Baubeersaft
  • schwarzer Tee
  • gekochte Möhren
  • gekochte Kartoffeln
  • Bananen
  • geriebener Apfel
  • Weißbrot (1 Tag alt)
  • Zwieback
  • Haferflocken
  • Schmelzhaferflocken
  • weißer Reis
  • Nudeln

Gegen Blähungen wirken z.B.:

  • Tees: Kümmel-, Fenchel-, Anistee
  • Säfte: Heidelbeer- und Blaubeersaft
  • Joghurt (nicht wärmebehandelt)
  • Kümmel (muss zur Entfaltung einer antiblähenden Wirkung immer kurz aufkochen)

Gegen Gerüche wirken z.B.:

  • Säfte: Heidelbeersaft, Blaubeersaft, Preiselbeersaft
  • grüner Salat
  • Petersilie
  • Obst
  • Joghurt (nicht wärmebehandelt)


Auf Reisen…

Urlaub – in den sonnigen Süden, zur Erholung in die Berge… auch mit Stoma kein Problem. Otmar reist bereits kurz nach der Stomaanlage mit seiner Familie ans Meer. Hier einige Tipps, worauf Stomaträger auf Reisen achten sollten.

Das wichtigste zuerst: Doppelt so viele Stomabeutel, Basisplatten, usw. mit in den Urlaub nehmen, als man zu Hause benötigt. Starkes Schwitzen bei hohen Temperaturen, Durchfall wegen ungewohnter Nahrungsmittel oder Gewürze, das sind nur Beispiele, warum am Urlaubsort ein Versorgungswechsel wahrscheinlich häufiger ansteht als in der selben Zeit zu Hause. Und da man selten weiß, wo man vor Ort seine Stomaversorgung erhalten kann oder ob es sie im Ausland überhaupt gibt, beugt man besser vor.

Bei der Reise im Auto oder mit dem Motorrad sollten Pausen an gut ausgebauten Raststätten eingeplant werden. Falls ein Versorgungswechsel während der Fahrt notwendig wird, findet man dort eine saubere Behindertentoiletten mit ausreichend Platz und einem eigenen Waschbecken.

Über 12.000 öffentliche Behindertentoiletten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in einigen weiteren europäischen Ländern lassen sich mit dem Euro WC-Schlüssel öffnen, z.B. an Autobahn- und Bahnhofstoiletten, aber auch öffentliche Toiletten in Fußgängerzonen, Museen oder Behörden. Stomaträger erhalten den Euro-WC-Schlüssel gegen eine Gebühr und Vorlage einer Kopie des Schwerbehindertenbescheids oder eines ärztlichen Attests vom CBF-Darmstadt: www.cbf-da.de

Bei Flugreisen gehört die gesamte Stomaversorgung ins Handgepäck und nicht in den Koffer. Denn man kann sich nie sicher sein, dass der Reisekoffer am selben Flughafen ankommt wie man selbst. Fällt dadurch mehr Handgepäck an als erlaubt, könne sich vorab mit der Fluggesellschaft in Verbindung setzen. Meist findet sich eine unkomplizierte Lösung.

Mehrsprachige Stomapässe oder Reise-Zertifkate haben zwar bei Kontrollen durch Sicherheitspersonal, z.B. auf Flughäfen, keine bindende Wirkung wie beispielsweise ein Personalausweis. Sie helfen aber zu erläutern, warum Hilfsmittel mitgeführt werden. Stomapässe und Reise-Zertifikate sind bei verschiedenen Herstellern oder als Download im Internet erhältlich. Der Hausarzt kann auf dem Dokument bestätigen, dass man Verwender von Stoma-Hilfsmitteln ist.

Besonders im Ausland ist auf die Qualität des Leitungswassers zu achten. Bei der täglichen Stomapflege und bei der Irrigation sollte bei Bedarf abgekochtes Wasser oder Wasser aus Flaschen benutzt werden.

Beim Aufenthalt im Hotel packt man die benutzten Stomaversorgung am besten diskret in einem mitgebrachten Müllbeutel, z.B. in einem blickdichten Kosmetikbeutel aus der Drogerie, und entsorgt diese im Mülleimer des Hotelzimmerbads, da dieser täglich geleert wird.

Auch der Strandbesuch ist für Stomaträger kein Problem. Ein Sonnenbad macht der Stomaversorgung nichts aus, und das Schwimmen im Meer oder im Pool ist ebenso möglich. Moderne Versorgungssysteme haften auch im Wasser zuverlässig am Körper und bleiben dicht.

Genießen Sie ihren Urlaub.